Rassenportrait

CURLY COATED RETRIEVER

Der Curly Coated Retriever, bei uns ein seltener Anblick

Der Curly Coated Retriever fällt vor allem durch sein Äusseres auf. Diese vielseitigen Retriever haben aber viel mehr zu bieten als das lockige Fell. Nicht nur das urtümliche Aussehen, sondern auch der ursprüngliche Charakter findet heute wieder Freunde in der Kynologie.

 
Die Entstehung der Rasse

Die Entstehung des Curly Coated Retriever ist nicht genau dokumentiert und daher umstritten. Gesichert ist, dass der Curly Coated Retriever wie der Labrador und Golden den St.-John’s Dog als Ahnen hat und sich parallel zu diesen Rassen entwickelte. Vermutlich durch das Einkreuzen von Old English Water Dogs, Irish Water Spaniels, Newfoundland Dogs, vielleicht Otterhounds, Pointer und Pudel ist die Rasse vor 1800 entstanden und gilt heute als älteste Retriever Rasse. Wenn man bedenkt, dass aus dem schwarzen St.-John’s Dog der Golden Retriever entstand, erstaunt es nicht, dass es auch im Curly das gelbe Gen gegeben hat. Da diese gelben Hunde beim Curly Coated Retriever konsequent ausgeschlossen wurden, ist vermutlich heute das rezessive gelbe Gen nicht mehr vorhanden. Der Standard beschränkt sich jedenfalls auf die schwarze und die braune Farbe

 
Die weitere Geschichte

Durch ihr zuverlässiges Arbeiten auf der Entenjagd, bei stundenlanger Apportierarbeit in kaltem Wasser und im Sumpf, bei der Jagd auf Haarwild und als Helfer der Fischer beim Einholen der Netze wurden die robusten und intelligenten Hunde in England sehr schnell beliebt. Zwischen 1800 und 1850 besass fast jeder Wildhüter in England einen Curly Coated Retriever. Sein ausgeprägter Bringwille, der unermüdliche Einsatz beim Finden von Wild verhalf der Rasse zu grosser Beliebtheit für die „Arbeit nach dem Schuss“. Später kamen die Hunde nach Australien, wo sie auch zum Viehtreiben, zum Hüten von Schafen und zur Kängurujagd eingesetzt wurden. Im letzten Jahrhundert wurde die Rasse leider durch die immer populärer werdenden Labrador-, Golden- und Flatcoated Retriever verdrängt. Heute ist die Verbreitung vor allem in England, Australien, USA und Skandinavien noch bedeutend. Glücklicherweise finden sich aber immer wieder Liebhaber, auch in der Schweiz, die sich der Rasse annehmen.

 
Das Erscheinungsbild

Der Curly Coated Retriever hat ein urtümliches Aussehen. In den letzten 200 Jahren hat er sein Äusseres kaum verändert. Er ist ein grossgewachsener, kräftiger, robuster und trotzdem sehr eleganter Hund. Die kleinen sehr dichten Locken bedecken seinen ganzen Körper ausser dem Kopf und geben dieser Rasse den Namen (Curls = Locken). Der Curly ist schwarz oder braun. Sein Ausdruck ist freundlich und liebenswert. Seine Stimmung kann man in seinen Augen lesen aber auch mit dem Spiel der Ohren verrät er uns viel über seinen Gemütszustand.

 
Das Wesen

Das Wesen des wundervollen Curly Coated Retrievers richtig zu beschreiben ist fast so schwierig, wie die Beschreibung eines guten Weines. Um die wirklichen Geheimnisse zu ergründen muss man ihn selbst erleben. Grundsätzlich ist das Wesen des Curlys dasjenige eines typischen Retrievers. Dazu gehören der ausgeprägte Bringtrieb und die ausgesprochene Wasserfreudigkeit. Er ist sehr kinderlieb, und belastbar und eignet sich dank seiner Ausdauer ausgezeichnet als Jagdgebrauchshund und Sporthund. Auch die Jagdpassion ist bei dem sehr ursprünglichen Retriever häufig ausgeprägt vorhanden. Trotzdem unterscheidet sich der Curly von seinen nächsten Verwandten in einigen Wesensmerkmalen. Er wird beispielsweise nicht wie ein Labrador alles tun um dem Menschen zu gefallen, sondern will mit dem Partner Mensch zusammenarbeiten. Er ist sehr intelligent und hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Nie vergisst er den Standort der Spielsachen oder eines aufgehobenen Knochens. Diese Eigenschaften sind für das Arbeiten sehr wertvoll. Der elegante Retriever ist sehr lauffreudig, hat mehr Temperament als seine nahen Verwandten und braucht viel Bewegung, dann ist er in der Wohnung ein angenehmer und ruhiger Mitbewohner. Natürlich ist sein Lieblingsschlafplatz das Sofa, wo man auf dem Rücken liegend mit allen vier Beinen von sich gestreckt lange Zeit in tiefem Schlaf verbringen kann. Gegenüber Fremden ist er anfänglich eher zurückhaltend und reserviert. Gleichzeitig ist er in der Familie ausserordentlich anhänglich und liebesbedürftig. Er besitzt einen gewissen Herdentrieb. Die Ausdauer, auf dem Spaziergang seine Familie zusammenzuhalten kennt dabei keine Grenzen. Der Curly ist sensibel und sehr feinfühlig. Sie reagieren stark auf Veränderungen. Dadurch wird das Umplatzieren eines Curly Coats zu Schwierigkeiten führen. Ist er jedoch einmal akklimatisiert, wird er sehr selbstsicher. Was den Curly besonders liebenswürdig macht ist sein schalkhaftes Verhalten. Es bereitet ihm offensichtlich Freude seinen Meister hereinzulegen. Dies spielt eine grosse Rolle in der Erziehung und Ausbildung der Curlies. Hier ist die Erfahrung des Hundeführers gefragt, sonst wird der Hund unsere Schwächen ausnützen. Sicher braucht es auch mehr Geduld und Stehvermögen einen Curly auszubilden. Seine Selbständigkeit ist dabei nicht nur förderlich . Was er aber gelernt hat, beherrscht er und vergisst es sein leben lang nicht mehr. Wer also den schnellen Erfolg sucht, ist mit dem Curly Coated Retriever falsch bedient. Wer aber einen treuen, liebenswürdigen und zuverlässigen Freizeitpartner sucht findet diesen beim Curly bestimmt.


Curlies sind Spätentwickler

Curly Coats können als Spätentwickler bezeichnet werden. Sie brauchen lange bis sie „erwachsen“ sind. Dies gilt sowohl für die körperliche, wie auch die geistige Entwicklung. Sie sind sehr verspielt und zeigen dabei sehr gerne ihre Ausgelassenheit. In den verschiedenen Wachstumsphasen wirken sie oft hochbeinig und bewegen sich schlacksig. Häufig sind sie in diesen Wachstumsphasen hinten überbaut. In dieser Zeit braucht es in der Ausbildung besonders viel Fingerspitzengefühl, Geduld aber trotzdem Konsequenz, um nichts zu verpassen, aber auch nichts zu verderben. Mit etwa drei Jahren sind auch die Rüden, die etwas länger brauchen endlich ausgewachsen.

 
Die Pflege ist einfach

Die Pflege des Curly Coated stellt keine besonderen Ansprüche an seinen Besitzer. Entgegen vieler Verwechslungen mit dem Pudel spricht, dass der Curly einen normalen Fellwechsel hat und somit nicht geschoren werden muss. Für die Ausstellung werden die abstehenden Spitzen etwas geschnitten. Hier gilt aber der Grundsatz, dass an einem guten Curly wenig zurechtgemacht werden muss. Vor allem die Hündinnen erleben einen intensiven Fellwechsel. In dieser Zeit können speziell an Brust und Gesäss völlig kahle Stellen auftreten. Bei guter Gesundheit und Ernährung wird das Fell aber nach kurzer Zeit wieder seinen vollen Glanz erreichen. Für die Pflege sollte das Fell jeden Tag einmal nass sein. Dadurch entwickeln sich die feinen Locken besonders schön. Beim Spaziergang am Wasser oder im Regen ergibt sich dies von selbst. Ausnahmsweise kann auch eine Blumenspritze gute Dienste erweisen. Andere Mittel als Wasser sind dabei nicht zu empfehlen. Die Curlys lieben es, wenn mit gespreizten Fingern das Wasser in kreisenden Bewegungen in das Fell einmassiert wird. Die Angst die Locken beim Kämmen zu zerstören ist übrigens unbegründet. Empfehlenswert dafür ist ein Kamm mit rotierenden Zähnen.

 
Die Curlies in der Schweiz

Im Jahre 1985 ist in der Schweiz der erste Curly Wurf gefallen. Leider hat der Züchter nach schlechtem Erfolg bei der Suche nach guten Welpenplätzen wieder aufgegeben.

Nach mehr als zehn Jahren gab es 1996 endlich wieder Curly Welpen in der Schweiz. Danach sind im Abstand von jeweils zwei Jahren weitere Würfe im Zwinger von Britho gefallen. Im Frühjahr 2003 wurde bei den Engadin Star’s mit dem ersten Wurf eine weitere Curly Zuchtstätte gegründet. Die sorgfältige Auswahl der Zuchttiere besonders im Wesen und Gesundheit sollen zur Erhaltung der wunderbaren Rasse beitragen. Dabei sind wir auf Importhunde und ausländische Deckrüden angewiesen. Glücklicherweise werden immer wieder Hunde importiert. So kann die Population in der Schweiz mit etwa 30 bis 40 Curlies angenommen werden. Da leider nicht alle Importhunde im SHSB eingetragen werden und nie auf Ausstellungen zu sehen sind, ist die genaue Zahl nicht zu eruieren.


Curlys bei der Arbeit

Trotz der bescheidenen Verbreitung des gelockten Retrievers in der Schweiz, haben sich einige Liebhaber der Arbeit mit Curlys verschrieben. Alle, die sie kennen wissen, dass ihre Selbständigkeit und Intelligenz für die Arbeit nicht immer nur von Vorteil ist. Viel Geduld und Ausdauer sind also für die erfolgreiche Ausbildung eines Curlys notwendig. Das Angebot für Hundesport ist in der Schweiz ausserordentlich vielseitig. Wir können Curlys auf vielen verschiedenen Uebungsplätzen antreffen, wo sie als Familienbegleithunde, Sanitätsrettungshunde, als Katastrophenrettungshunde oder im Agility Parcour laufen. Wir haben auch zwei ausgebildete Therapiehunde erfolgreich im Einsatz.

Dieser Text stammt von Thomas Schär und ist in Jahrbuch des RCS 2003 auch enthalten.

Es gibt weltweit nur noch ca. 4000 Hunde dieser fantastischen Rasse.


Rassestandard                                    F.C.I.-Nr. 110 c / 24.06.1987
Ursprungsland: Großbritannien

Allgemeines Erscheinungsbild: Kräftig, rege, stolz und aufrecht, mit unverkennbarem Haarkleid

Charakteristika: Intelligent und ausdauernd.

Wesen: Freundlich und selbstsicher.

Kopf und Schädel: Lang, gut proportionierter, flacher Schädel, kräftige und lange Kiefer, weder spitz noch grob. Große Nasenöffnungen, Pigmentierung schwarz oder leberfarben.

Augen: Schwarz oder dunkelbraun, groß, aber nicht hervortretend.

Behang: Ziemlich klein, tief angesetzt, gut am Kopf anliegend, mit kurzen Locken bedeckt.

Gebiss: Kräftige Kiefer mit einem perfekten, regelmäßigen und vollständigen Scherengebiss, wobei die obere Schneidezahnreihe ohne Zwischenraum über die untere greift und die Zähne senkrecht im Kiefer stehen.

Hals: Mittellang und trocken.

Vorhand: Schulterblätter sehr lang, muskulös und gut zurückliegend.

Gebäude: Gut gewölbter Rippenkorb, tiefes Brustbein, die Lende nicht lang oder aufgezogen.

Hinterhand: Kräftig, muskulös, Sprunggelenke tief stehend, Knie tief, gut gewinkelt.

Pfoten: Rund, kompakt, mit gut aufgeknöchelten Zehen.

Rute: Eher kurz, gerade, niemals hoch oder eingerollt getragen, dicht mit Locken bedeckt, sich zur Spitze verjüngend.

Gangart/Bewegung: Viel Boden deckend, mit gutem Schub.

Haarkleid: Der ganze Körper ist dicht mit krausen Locken bedeckt. Das wichtigste Rassemerkmal und von überragender Bedeutung.

Farbe: Schwarz oder leberbraun.

Größe: Gewünschte Schulterhöhe: Rüden 68,5 cm, Hündinnen 63,5 cm.

Fehler: Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten sollte als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.

Anmerkung: Rüden sollten zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Skrotum befinden.